Completion Party am HLL
Am 13. Juli 2026 feierte das Halbleiterlabor der Max-Planck-Gesellschaft (HLL) gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern die Wiederetablierung des Forschungsbereichs Sensortechnologie am HLL.
Die Veranstaltung markierte zugleich den Abschluss der letzten Bauphase und die Inbetriebnahme der modernisierten Infrastruktur. Nach fast zwei Jahrzehnten eröffnet sich damit ein neues Kapitel für die Entwicklung innovativer Halbleiterdetektoren und Sensortechnologien
Schon 2008 entstand am HLL der Wunsch, die Anmietung des 2001 bezogenen ehemaligen Infineon-Reinraums in Neuperlach durch ein eigenständiges, zentrales Max-Planck-Labor zu ersetzen. Ein wichtiger Meilenstein war 2013 die Umstrukturierung des HLL – bis dahin ein „Joint Venture“ des Max-Planck-Instituts für Physik (MPP) und des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE) – zu einer zentralen Einrichtung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), wodurch klare Führungsstrukturen geschaffen wurden.
Prof. Dr. Siegfried Bethke, der von 2013 bis 2023 geschäftsführender Direktor des HLL war, erinnerte in seiner Rede an die zahlreichen Ideen, die verfolgt und aus unterschiedlichen Gründen wieder verworfen werden mussten: Im Gespräch waren Kooperationen mit Partnern wie dem Fraunhofer EMFT, der TU München und dem DESY sowie eine Zwischennutzung auf dem Gelände der Universität der Bundeswehr. Der jetzige Standort auf dem Gelände des IPP war seit 2016 im Fokus. Da aufgrund des auslaufenden Mietvertrags mit Siemens die Zeit knapp wurde, fiel Ende 2019 schließlich der Startschuss für die Bauarbeiten in Garching, 2020 folgte das Richtfest und 2024 fand schließlich die Einweihungsfeier statt.
Herausforderungen am Bau: Ingenieurskunst und globale Krisen
Doch der Weg zum fertigen Labor war ebenfalls alles andere als geradlinig. Das neue Gebäude, das nun Platz für rund 50 Mitarbeitende auf etwa 2.500 Quadratmetern Nutzfläche bietet, vereint einen Bürotrakt mit einem modernen Labortrakt. Eine besondere ingenieurstechnische Leistung war dabei der Verzicht auf ein Untergeschoss, das aufgrund diverser Auflagen nicht realisierbar war. Stattdessen wurde der Reinraum im ersten Obergeschoss angeordnet. Dadurch konnten die erforderlichen Technikräume sowohl darunter als auch darüber untergebracht werden, wodurch eine effiziente technische Versorgung des Reinraums sichergestellt wird.
Tobias Küblböck, Projektplaner der Firma Diederichs und Katharina Vierneisel-Koch von der Bauabteilung der Generalverwaltung erinnerten an die zahlreichen Hürden, die es zu überwinden galt: Die Corona-Krise und der anschließende Ukraine-Krieg stellten das Projekt ebenso wie neue gesetzliche Verordnungen und geänderte Genehmigungen vor immer neue Herausforderungen und führten zu kontinuierlich steigenden Baukosten. Dass das Team dennoch durchhielt, mache den heutigen Anlass umso wertvoller: „Genau deswegen macht es einen umso glücklicher, dass wir jetzt hier alle stehen können nach allen Krisen, die wir gemeinsam durchgestanden haben.“
Der „wilde Ritt“ des Hook-Up
Die Fertigstellung des Gebäudes im Frühjahr 2024 war jedoch erst der Anfang. Christiane Winter, die das HLL von Anfang an beratend begleitete, bezeichnete die anschließenden „Hook-Up“-Arbeiten als eigenständiges, hochkomplexes Bauprojekt. Was gemeinhin als „letzter Meter zum Gerät“ definiert wird, ging hier deutlich darüber hinaus: Neben dem Anschluss der wissenschaftlichen Anlagen wurden bestehende haustechnische Systeme gezielt angepasst, optimiert und in Teilen durch neue Komponenten ergänzt oder ersetzt. Ergänzt wurde dies durch den Einbau hochspezieller wissenschaftlicher Installationen. Winter lobte das eingespielte Team aus Planungsbüro, ausführenden Firmen und Nutzern: „Das alles ist nicht normal – so läuft ein Bauprojekt eigentlich nicht. Aber der Hook-Up im HLL ist eine wirkliche Herausforderung und gerade deswegen auch so außergewöhnlich und spannend.“
Noch parallel zum Bau stand das Labor vor der logistischen Mammutaufgabe, die Produktionslinie von Neuperlach nach Garching zu verlagern. Da der alte Mietvertrag auslief, mussten sämtliche Anlagen bereits demontiert werden, bevor das neue Gebäude vollständig qualifiziert war. Mit der Gebäudeübernahme Ende 2024 übernahm das HLL zudem selbst die Rolle des Bauherrn für die verbleibenden Anpassungen. Dies brachte „diverse Herausforderungen, auch aus administrativer Sicht mit sich“, betonte Verwaltungsleiterin Sabine Krabichler, da „normalerweise kein Baugeschehen am HLL und in der Verwaltung“ stattfinde.
Und: waren in Neuperlach die technische Gebäudeinfrastruktur und der Reinraumbetrieb durch den Vermieter sichergestellt, musste das HLL am neuen Standort die volle Verantwortung für diese komplexen Systeme übernehmen. Eine entscheidende Rolle spielte dabei das neue Facility-Management-Team. Dieses musste unter Hochdruck aufgebaut werden und in kürzester Zeit die komplexe Gebäudetechnik verstehen, die besonderen Anforderungen der Wissenschaft erlernen sowie den reibungslosen Betrieb der Versorgungssysteme sicherstellen. Dass dies gelang, war jedoch dem großen Engagement der gesamten HLL-Belegschaft zu verdanken. Viele Mitarbeitende übernahmen zusätzliche Verantwortung und arbeiteten sich in neue Themenfelder ein, um den erfolgreichen Start am neuen Standort zu ermöglichen. Laborleiterin Dr. Jelena Ninkovic hob den außergewöhnlichen Einsatz der gesamten Belegschaft hervor, die in dieser Phase weit über ihre eigentlichen Aufgaben hinauswuchs: „Statt ausschließlich Forschung zu betreiben, habt ihr euch mit Gebäudetechnik, Medienversorgung, Reinrauminfrastruktur und unzähligen anderen Themen beschäftigt.“
Technologische Quantensprünge
Diese enorme Anstrengung war jedoch kein Selbstzweck, sondern auch die notwendige Basis für den wissenschaftlichen Sprung nach vorn. Die vollständige Wiederaufnahme der Forschung und Produktion markiert entsprechend „nicht das Ende eines langen Projektes, sondern den Anfang eines neuen Kapitels“, so Ninkovic. Denn auch wissenschaftlich stößt das HLL in neue Dimensionen vor: Im neuen „Nano Fabrication Lab“ werden in Zukunft gemeinsam mit Projektpartnern neue Technologien für die Verwendung in Quantencomputern entstehen.
Mit der Wiederetablierung der Sensortechnologie stärkt das HLL seine Rolle als führende Forschungs- und Technologieplattform für innovative Halbleiterdetektoren – von der Grundlagenforschung bis hin zu Anwendungen in der Astrophysik, Photonenwissenschaft, Materialwissenschaft und Teilchenphysik. Der geschäftsführende Direktor Prof. Dr. Allen Caldwell dazu: „Was einst als reiner Gebäudeersatz begann, ist heute ein unverzichtbares europäisches Fundament für die nächste Generation der Quantentechnologie.“ Er gibt auch gleich noch einen weiteren Ausblick in die Zukunft: „Um mit den rasanten Entwicklungen Schritt halten zu können, sind die Planungen für einen Erweiterungsbau bereits in vollem Gange.“
